Das Projekt „Netzwerk FAMILIE - ARBEIT - MITTELSTAND im MÜNSTERLAND – FAMM“ ist abgeschlossen. Diese Projektwebsite www.fam-muensterland.de steht weiterhin für alle Interessierten offen, sie wird allerdings nicht mehr aktualisiert.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch nach Projektabschluss für uns und unsere Partnerorganisationen ein wichtiges Anliegen. Verfolgen Sie auf unserer Homepage www.heurekanet.de, wie wir die Vereinbarkeit in der Gesundheitswirtschaft mit dem Projekt ampaq und im Maschinen- und Anlagenbau mit dem Projekt FAM²TEC voranbringen.


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Perbit Software für Familienfreundlichkeit ausgezeichnet
Wirtschaft aktuell online, 31.08.2010

Perbit Software für Familienfreundlichkeit ausgezeichnet

Altenberge – Komplettes Neuland hat das Unternehmen mit dem Thema eigentlich nicht betreten. Für seine Familienfreundlichkeit ist es bereits ausgezeichnet worden. Aber nun ist die Perbit Software GmbH der erste Betrieb im Kreis Steinfurt, der sich offiziell auch durch das Netzwerk „Familie-Arbeit-Mittelstand im Münsterland“ (Famm) prüfen lassen hat und das Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Mittelstand“ trägt. Der Software-Entwickler für Personalmanagement-Lösungen aus Altenberge gehört damit zu den elf Unternehmen aus dem Münsterland, die in der Pilotphase das Zertifizierungsverfahren erstmals erfolgreich durchlaufen haben.

„Damit hat Perbit die Vorreiterrolle in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Kreis Steinfurt übernommen“, betonte der Bundestagsabgeordnete und Mitinitiator des Projektes, Karl Schiewerling. Zusammen mit Landrat Thomas Kubendorff hat er die Urkunde nun offiziell an Gabriele Hampel, Marketingleiterin von Perbit, übergeben. „Es hat lange gedauert, bis sich das Thema Familienfreundlichkeit fest in der Gesellschaft verankert hat. Mit Projekten wie diesen können wir im Münsterland verstärkt darauf aufmerksam machen“, erklärte Schiewerling.

Das hat auch der Kreis Steinfurt erkannt. Das Famm-Projekt ist eines von insgesamt 13 Projekten, die aktuell in der Kreisentwicklung laufen. „Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Ein gut aufgestellter Wirtschaftsstandort reicht alleine nicht aus, wenn er nicht familienfreundlich ist. Und das macht sich dann auch bei den Fachkräften bemerkbar, die deshalb nicht in die Region kommen wollen“, verdeutlichte Landrat Kubendorff. Das sieht Wolfgang Bischoff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH, die das Projekt im Kreis Steinfurt unterstützt, ähnlich. „Natürlich geht es in Betrieben sicherlich nicht ohne Profit. Aber an erster Stelle sollte der Mensch im Unternehmen stehen. Es muss beides miteinander vereinbar sein“, forderte er.

Dass das funktioniert, hat Perbit nun in dem Zertifizierungsverfahren gezeigt, indem es seine Familienfreundlichkeit „messen“ lassen hat. Famm setzt dafür drei Erhebungsinstrumente ein, die die Bereiche Unternehmenskultur, Führung und Kommunikation, Flexibilität, Service- und Unterstützungsangebote sowie Personalentwicklung und Nachhaltigkeit überprüfen. „Die Daten erheben wir mittels Fragebögen an die Geschäftsleitung sowie an die Belegschaft. Anschließend überprüfen wir die Aussagen vor Ort im Betrieb. Daraus ergibt sich dann ein klares Unternehmensbild“, erklärte Famm-Projektleiter Marcus Flachmeyer.

Rund 1.000 Euro müssen Unternehmen in das Projekt investieren, das außerdem mit Landesmitteln aus dem Fördertopf für innovative Modellprojekte finanziert wird. „Die Kosten für Unternehmen sind wesentlich niedriger als bei anderen Tests für Familienfreundlichkeit, die darüber hinaus auch wesentlich länger dauern“, betonte Flachmeyer.

In dem Prüfungsverfahren punktete Perbit vor allem mit einer „gelebten Unternehmenskultur“. „Das beste Erscheinungsbild eines Unternehmens nach außen mit Hochglanzbroschüren nützt wenig, wenn es hinter den Kulissen ganz anders aussieht. Wir sind keine Hire-and-Fire-Firma, was angesichts des Fachkräftemangels ein wichtiger Punkt ist. Unsere Mitarbeiter sind durchschnittlich zwischen zehn und 15 Jahren bei uns beschäftigt“, erklärt Marketingleiterin Hampel. Zudem wolle Perbit durch flache Hierarchien Vertrauensarbeit schaffen. So gibt es bei dem Software-Entwickler zum Beispiel keine Arbeitszeiterfassung für die 37 Mitarbeiter am Standort in Altenberge. „Sie können sich ihre Arbeitszeit flexibel einteilen, haben allerdings feste Zielvorgaben, bis wann und in welcher Form Aufgaben erledigt werden müssen. Das stimmen wir zuvor in Mitarbeitergesprächen ab. Natürlich erfordert das eine verantwortungsbewusste Haltung der Belegschaft“, erläuterte Hampel. Darüber hinaus können Mitarbeiter einen Firmenwagen entsprechend ihrer familiären Bedürfnisse aussuchen.

Für das Altenberger Unternehmen sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie jedoch nicht nur auf typische „Mutter-Vater-Kind-Familien“ übertragbar. „Wir haben Teilzeitmodell auch für Väter, die die Elternzeit in Anspruch nehmen, entwickelt oder aber auch für Alleinerziehende und Menschen, die sich um Pflegefälle kümmern müssen. Im Notfall übernehmen wir auch die Kinderbetreuung. In der vergangenen Woche konnte zum Beispiel eine Mitarbeiterin ihr Kind aufgrund der starken Regenfälle und Überflutungen nicht in den Kindergarten bringen, also hat sie es mit zur Arbeit gebracht“, so die Marketingleiterin. Ob das Teilzeitmodell für einen Angestellten in Frage kommt, kann er beispielsweise in einer „Schnupperteilzeit“ über ein Viertel Jahr testen.

Ausschlaggebendes Kriterium sei für die Jury auch die Gesundheitspolitik bei Perbit gewesen. „Zweimal in der Woche kommt ein Physiotherapeut zu uns ins Haus. Außerdem legen wir in unserer Cafeteria Wert auf gesunde Ernährung mit viel Obst. Früher gab es nur Schokoriegel – die haben wir mittlerweile komplett aus dem Sortiment genommen“, machte Hampel klar.

Info:
Die erste Pilotphase des Projektes ist mit der Auszeichnung der ersten elf Unternehmen abgeschlossen. Bis zum Projektende im Sommer 2011 will Famm weitere 49 Unternehmen prüfen und zertifizieren, sodass in der Summe 60 Betriebe aus dem Münsterland das Siegel tragen.